Pol Pots Lächeln

Im August 1978 verbringen politische Reisende zwei Wochen im von Pol Pot und den Roten Khmern regierten Kambodscha. Sie wurden von dem Regime selbst eingeladen, weil sie in ihren Heimatländern die Meinung stützen sollten, dass das massenmediale Bild eines Demokratischen Kampuchea mit Zwangsarbeit, Folter und Massenhinrichtungen nur ein Mythos sei. Darunter sind vier schwedische Intellektuelle, unter ihnen der Autor Jan Myrdal. Wieder zu Hause, können die vier dann mit Überzeugung von einem kambodschanischen Volk berichten, das sich aus Jahrzehnten kolonialer Unterdrückung erhoben habe, das seine politischen Führer verehre, weil es sich zum ersten Mal seit der Zeit vor dem Krieg satt essen könne, und das zudem nicht die geringste Angst habe, mit Fremden zu reden.

30 Jahre später erzählt der schwedische Journalist Peter Fröberg Idling von diesen historischen Ereignissen aus einer ganz besonderen Perspektive. Er reist nach Kambodscha und verfolgt den Weg, den die schwedischen Intellektuellen eine Generation zuvor gegangen sind. Er erkundet, was sie erkundeten, wenn sie Dammbauten und Fabrikanlagen besuchten, bzw. sich mit Bauern draußen auf den Reisfeldern oder mit politischen Funktionären unterhielten.

Der Autor kommt in dieser literarischen Reportage zu einem ganz anderen Schluss, als seine Vorgänger. Er vergleicht den Bericht der schwedischen Delegation mit den Berichten über die historischen Ereignisse wie wir sie heute kennen und stellt sie einander gegenüber. Dabei wird deutlich, wie verfremdet die Sichtweise der vier Schweden gegenüber den Ereignissen im Kambodscha der 70er Jahre war. Peter Fröberg Idling stellt die Frage: Sehen jüngere Generationen, zu denen der Autor selbst gehört, heute klarer oder hängen sie lediglich anderen Einbildungen an.

 

Peter Fröberg Idling

Weltlese, Band 10
Aus dem Schwedischen von Andrea Fredriksson-Zederbauer
Mit einem Vorwort von
Steve Sem-Sandberg
Gebunden mit Schutzumschlag, 352 Seiten
€ 22,95
ISBN 978-3-86406-021-2