Fereydun hatte drei Söhne

Die islamische Revolution 1979: Unzählige gesellschaftliche und politische Gruppen stehen sich feindlich gegenüber. Von schweren Zerwürfnissen erschütterte Familien geraten an ihre Grenzen.

So auch Familie Amani, die Abbas Maroufi stellvertretend porträtiert. Einer der Söhne, der Kommunist Madjid, ist aus seiner Heimat geflohen und begegnet als Patient einer Aachener Nervenheilanstalt seiner Vergangenheit. Einer Zeit, in der er und seine Brüder sich gegen den Willen des Vaters politisierten: Assad schloss sich Chomeinis Organisation an und besetzte innerhalb kürzester Zeit wichtige Ämter, Said wurde Mitglied der Mudschaheddin und Iradsch, dem inhaftierten „Revolutionsfeind“, droht die Hinrichtung.

Maroufis Stil ist prägnant. Alles ist eins, Erzählebenen gehen nahtlos ineinander über. Folgen wir gerade noch einer Unterhaltung Madjids mit einem Mitpatienten, sitzen wir im
nächsten Satz in einem Wagen, der den Geflüchteten zurück in den Iran bringen soll. Der Roman ist ein Spiegel der Revolution, seiner Dynamik kann man sich nicht entziehen. Maroufi? verdichtet das Geschehen zu einem geballten Porträt jener dramatischen Zeit.

 

Abbas Maroufi, 1957 in Teheran geboren, gründete die Zeitschrift Gardoon und war ihr Herausgeber, bis er wegen „Beleidigung der islamischen Grundwerte“ zu Gefängnis, zwanzig Peitschenhieben und Publikationsverbot verurteilt wurde. Aufgrund internationaler Proteste wurde das Urteil nicht vollzogen, die Zeitschrift jedoch verboten. Er konnte das Land verlassen und gründete in Berlin die Buchhandlung Hedayat und den Verlag Gardoon. Auf Deutsch erschien u. a. der Roman Symphonie der Toten, für den er 2001 den Siegfried-Unseld-Preis erhielt. Das gegen ihn ergangene Urteil wurde  bisher nicht aufgehoben.

Ilija Trojanow, 1965 in Sofia geboren und in Kenia aufgewachsen, ist einer der renommiertesten deutschen Autoren (zuletzt: „Macht und Widerstand“, Fischer). Seit 2008 gibt Trojanow die Reihe „Weltlese – Lesereisen ins Unbekannte“ heraus.

Susanne Baghestani, geboren in Teheran, arbeitet seit 1996 als Literaturübersetzerin aus dem Persischen und Französischen. Sie übersetzte u. a. Romane von Fattaneh Haj Seyed Javadi, Atiq Rahimi und Parsua Bashi.

Abbas Maroufi

Weltlese, Band 17
Herausgegeben und mit einem Vorwort von Ilija Trojanow
Aus dem Persischen von
Susanne Baghestani
Gebunden mit Schutzumschlag,
Format 12 x 18,5 cm

298 Seiten
€ 22,50,-

ISBN 978-3-86406-071-7

Produktfotos Copyright © Martin Mascheski